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Auf der längsten und grössten Schiffstour, die Greenpeace je unternommen hat, haben wir protestiert, dokumentiert, politisiert und verhandelt. Das Ziel war, sichtbar zu machen, was bisher nicht zu sehen war; Umweltskandale publik zu machen und die Menschen zu sensibilisieren. Und um Werbung zu machen für ein globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten, für das wir auf politischer Ebene weiterhin Druck machen.

Die Reise dauerte 14 Monate und führte das Greenpeace-Schiff «Esperanza» um die ganze Erde. Wir blicken zurück auf die wichtigsten Stationen.

Station 1: Südpolarmeer, Dezember 2005/Januar 2006:
Greenpeace gelingt es, während 70 Tagen die Aktivitäten der japanischen Walfangflotte erheblich zu stören. Die Umweltaktivisten retten 82 Wale und sorgen dafür, dass die Fangflotte ihre Jagd zeitweise einstellen muss. Greenpeace hat Millionen von Menschen in der ganzen Welt auf die von ihnen dokumentierten Walabschlachtungen im Südpolarmeer aufmerksam gemacht. Greenpeace hat auch alle Unternehmen im Visier, die direkt und indirekt was mit dem Walfang zu tun haben. 

Station 2: Westafrika/Atlantik, März/April 2006:
Greenpeace und die Umweltrechtsstiftung Environmental Justice Foundation (EJF) dokumentieren vor Guinea die illegalen und zerstörerischen Fischereipraktiken von so genannten Piratenfischern. Die Schiffe, die oft aus China, Korea, Liberia, Spanien oder Belize kommen, fischen zum Teil sogar innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone und damit in einem Gebiet, das für die Versorgung der lokalen Bevölkerung in einem der ärmsten Länder der Erde von grosser Wichtigkeit ist. Es ist das erste Mal, dass die Zusammenarbeit zwischen Greenpeace und Behörden zur Verhaftung eines Piratenfischers führt. Und es ist das erste Mal, dass die Verstrickung des Hafens von Las Palmas/Gran Canaria bewiesen werden kann. Der Ort auf Gran Canaria ist der Hauptumschlagplatz für illegale Fänge aus der Region, auch für den europäischen Markt. Die spanischen Behörden erklären die Ladung des in Las Palmas gelöschten Fischfrachters «Binar 4» für illegal. Einen Report über das erschreckende Ausmass der illegalen Fischerei vor der Küste Westafrikas wird Greenpeace im März 2007 dem UNO-Fischereiausschuss in Rom vorlegen.

Station 3: Azoren, Mai 2006
Gemeinsam mit einem Wissenschaftlerteam dokumentieren wir einige der faszinierendsten und bizarrsten Lebensformen der Erde. Trotz technischer Pannen und schlechten Wetters filmt und fotografiert Greenpeace während einer dreiwöchigen Studie die reiche Meeresfauna der Tiefsee. Dabei macht das Team faszinierende und überraschende Entdeckungen. Die Dokumente zeigen eindrücklich, dass die rücksichtslose Grundschleppnetzfischerei gestoppt werden muss. Bei einem Termin mit dem Fischereiminister der Azoren zeigt sich, wie wichtig es ist, Entscheidungsträgern vor Augen führen zu können, was in der Tiefsee passiert. Die gute Zusammenarbeit zwischen Greenpeace und den Meeres-Forschern setzt sich bis zur UNO-Vollversammlung im November 2006 fort, bei der Greenpeace zusammen mit einer breiten Koalition von Umweltorganisationen und Meeresforschern  ein sofortiges Moratorium auf die Tiefsee-Grundschleppnetzfischerei fordert. Leider scheitert dieser Antrag an der Stimme eines einzigen Landes - Island.

Station 4: Mittelmeer, Mai/Juni/Juli 2006
Mit zwei Berichten und direkter Konfrontation fordert Greenpeace, dass 40 Prozent der Weltmeere und 40 Prozent des Mittelmeeres geschützt wird. Nur so können Arten wie der vom Aussterben bedrohte Rote Thun überleben. Denn 90 Prozent der Raubfisch-Bestände sind bereits abgefischt. Greenpeace macht im Mittelmeer auf die verheerende, illegale aber noch immer praktizierte Treibnetzfischerei aufmerksam, die noch immer viele Delfine, Schildkröten, Haie und Seevögel tötet. Aquafarmen, wo Jung-Thunfische gemästet werden, vervielfachen das Problem der Überfischung. Die Verschmutzung, unsanfter Tourismus und der Klimawandel setzen dem Mittelmeer weiter zu. Während der dreimonatigen Schiffstour kann Greenpeace etliche Belege für die verheerenden Fischereipraktiken im Mittelmeer sammeln. Diese werden im November 2006 in Dubrovnik der zuständigen Thunfisch-Kommission vorgelegt - mit weltweitem Medienecho. 

Station 5: Rotes Meer, Juli/August 2006
Das Greenpeace-Tauchteam dokumentiert einerseits die Schönheit des Roten Meeres, andererseits protestiert es gegen die fortschreitende Zerstörung dieses einzigartigen Naturschatzes. Greenpeace arbeitet hierfür mit der in Hurghada ansässigen Organisation HEPCA (Hurghada Environmental Protection and Conservation Association) zusammen, die das Greenpeace-Team auf der Fahrt durch das Rote Meer fach- und ortskundig verstärkt. Hierbei entsteht eine einzigartige Bilddokumentation der Unterwasserwelt im Roten Meer, die intaktes Riffleben und Riffzerstörung eindrucksvoll nebeneinander stellt.  HEPCA ist ein Verein von Tauchzentren, der zum Schutz des Riffes ein Muhringsystem mit über 1000 fest installierten Bojen entwickelten, an denen die Boote festgemacht können. Die Organisation erwirkte im Streit mit der Ägyptischen Tourismusentwicklungs-Behörde (TDA), die eine Insel vor Hurghada (Giftun Island) an private Investoren verkaufen wollte, einen Stopp des Vorhabens: TDA erklärte die Insel daraufhin zum Nationalpark.

Station 6: Indien, August 2006
Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der «Esperanza» veröffentlichen wir einen Bericht mit dem Titel «Die indische Küsten- und Meeres- Ökosysteme: Pläne für die Zukunft». Dieser Bericht - der erste seiner Art in Indien - fordert einen verstärkten Schutz der biologischen Meeresvielfalt in indischen Gewässern. Der Bericht enthält Fallstudien, die die beispiellose Artenvielfalt ausgewählter indischer Küstenabschnitte darstellen und die Bedrohungen aufzeigen, denen diese Regionen ausgesetzt sind. Angefangen von der Überfischung und dem Verlust von Lebensraum bis hin zur industriellen Zerstörung und den Gefahren der Aquakultur. Die Studie zeigt deutlich, dass diesen Ökosystemen wie den Mangrovenwäldern, häufig eine sehr wichtige Schutzfunktion gegen Naturkatastrophen wie Wirbelstürme und Tsunamis zukommt. Wir sind nach Indien gekommen, um die indische Regierung aufzufordern, in Absprache mit den lokalen Fischereiverbänden einen präzisen Plan zum gesetzesmässigen Schutz eines höheren Prozentsatzes der Küsten- und Meeresgebiete auszuarbeiten. Der Plan dient der Regierung nun als Grundlage für den Umgang mit den marinen Ressourcen. 

Station 7: Philippinen, August/September 2006
Gleich nach der Ankunft auf den Philippinen gibt es einen Noteinsatz: Ein Petron-Öltanker sinkt, die grösste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes nimmt ihren Lauf. Greenpeace unterstützt die Küstenwache und Wissenschaftler vor der Insel Guimaras im Kampf gegen den Ölteppich.  Ein anderer Brennpunkt erwartet uns auf der Insel Rapu-Rapu: Die «Esperanza» führt eine Protest-Flotte von 70 Booten an, die gegen den Gold- und Silberabbau des australischen Unternehmens Lafayette demonstrieren. Dessen Mine wurde im Juli wieder geöffnet, obwohl Untersuchungen die Abführung von hochtoxischen Chemikalien bestätigt hatten. Das führt zu einem Fischsterben und bedroht das Unterwasserparadies im Golf von Albay, in dem neben Delfinen auch viele Walhaie ihre Bahnen ziehen. Die lokalen Fischerfamilien sehen sich ihrer Lebensgrundlage beraubt.  Aufgrund der Greenpeace-Aktionen erlässt die philippinische Regierung nachfolgend mehrere wichtige Erlässe zum Schutz der Umwelt: Sie initiiert eine offizielle Senats-Untersuchung gegen die Minen-Firma Lafayette, erlässt ein neues Gesetz zur Entsorgung von Problemmüll und unterstützt die Einrichtung eines von Greenpeace vorgeschlagenen Ölkatastrophen-Funds.

Station 8: Hawaii, Oktober 2006
100 Millionen Tonnen Plastik treiben in den Ozeanen. Vor Hawaii hat sich ein Müllstrudel gebildet, der so gross ist wie der US-Bundesstaat Texas. Der Müll ist eine tödliche Gefahr für die Ozeane und ihre Bewohner, wie ein Bericht von Greenpeace zeigt. Wir machen dieses gewaltige Müllproblem publik. Greenpeace nimmt Proben, packt und friert die Plastikteile ein und schickt sie zur Analyse ans eigene Labor in Grossbritannien. Greenpeace gelingt es durch die Schiffspräsenz das Thema Müll im Meer weltweit in die Schlagzeilen zu bringen und deutlich zu machen, dass die Verschmutzung der Meere nur eingedämmt werden kann, wenn weltweit die Verwendung von Plastik eingeschränkt und systematisches Recycling von Kunststoffen zur Selbstverständlichkeit wird. 

Station 9: Mexiko, November/Dezember 2006
An der Küste des Golfs von Kalifornien protestieren Greenpeace-Aktivisten gegen illegale Hotelbauvorhaben. Die Tourismusindustrie und die Fischerei bedrohen in Mexiko unter anderem eine der seltensten Delfinarten der Welt: Vom «Vaquita» gibt es nur noch etwa 500 Exemplare. Wir fordern den mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón und seinen Regierungsapparat auf, die Hotel-Planungen zu stoppen, von denen ein Risiko für die Umwelt, die Bevölkerung sowie den Lebensraum der wilden Tiere ausgeht. Wenige Tage nach dem Greenpeace-Protest, bei dem Taucher im Espíritu Santo Archipel ein Meeresschutzgebiet für die Region fordern, unterzeichnet die mexikanische Regierung endlich das Dekret, das das Meeresgebiet unter Schutz stellt. Nach zweieinhalb Jahren intensiver Arbeit kann Greenpeace Mexiko einen Erfolg feiern – ein Schritt mehr hin zu einem weltweiten Netzwerk von Meeresschutzgebieten!

Station 10: Februar/März 2007
Greenpeace setzt sich mit verschiedenen Aktivitäten für ein Walfangverbot und gegen den japanischen Walfang ein. Die «Esperanza» fährt in Richtung Südpolarmeer, wo die japanische Walfangflotte unterwegs ist. Ihre Crew will gewaltfrei protestieren und wie im Vorjahr Wale vor dem Harpunieren retten. Doch bevor es dazu kommt, bricht an Bord des japanischen Walfang-Fabrikschiffes  «Nisshin Maru» ein Feuer aus. Es droht eine gigantische Umweltkatastrophe, denn die japanischen Schiffe sind nicht in der Eisklasse aufgeführt und dadurch nicht für die Antarktis geeignet. Öl und Chemikalien im havarierten Schiff bedroht ein einzigartiges Ökosystem, unter anderem auch eine der weltweit grössten Kolonien der Adelie-Pinguine. Greenpeace bietet mehrfach an, das beschädigte Mutterschiff abzuschleppen, doch Japan lehnt jede Hilfe ab. Das Schiff kann Tage später repariert werden und entkommt nur knapp den immer näher kommenden Eisschollen. Greenpeace eskortiert den Walfänger aus seinen Jagdgründen heraus und fordert Japan auf, den Walfang für immer einzustellen. Die Ereignisse zeigen, dass durch die japanische Präsenz nicht nur die Wale, sondern auch das hochempfindliche antarktische Ökosystem bedroht sind. In Japan selber nimmt die Bevölkerung eine immer kritischere Haltung gegenüber dem Walfang ein. Bei kürzlichen Umfragen haben sich fast 70 Prozent dagegen ausgesprochen. Im Februar gelingt es Greenpeace in Japan erstmals, dass die japanischen Medien positiv über Greenpeace und kritisch gegenüber dem Walfang berichten – ein wichtiger Durchbruch ist geschafft!